Tabuthema Psychologe

Im „wahrem“ Leben hab ich nicht vielen Menschen davon erzaehlt, aber auf dem Blog ist dass ja irgendwie was anderes. Weil anonym und so. Und sogar es hier aufzuschreiben find ich nicht ganz leicht.

Weil es in Deutschland leider immer noch ein Tabuthema ist. In Frankreich zwar nicht, aber eben in Deutschland.

Wer sagt schon gern Ich war beim Psychologen? Eben weil es ein Tabuthema ist. Weil viele dann wahrscheinlich denken, dass man in irgendeiner Weise verrueckt sein muss, total gestoert, eine ganz labile Seele oder was auch immer. Nicht der Norm entsprechend jedenfalls. Und schwach.

Jedenfalls: letzte Woche war ich zum allererstem Mal in meinem Leben beim Psychologen. Und ich bin nicht verrueckt. Zumindest nicht verrueckter als der normale Durchschnittsmensch.  Also echt jetzt.

In meinem Leben gab es zwei grosse Brueche. Zwei der mir wichtigsten und naehesten Menschen starben, zweimal riss es mir komplett den Boden unter den Fuessen weg und zweimal dachte ich, dass ich dass nicht ueberleben kann. Am Ende hab ich es doch ueberlebt. Weil die Zeit Wunden irgendwann doch heilt, wenn auch niemals ganz. Das Vermissen bleibt, das Leben teilt sich in ein „Vorher“/“Nachher“ und manchesmal reissen Wunden wieder auf. Klar.

Den dritten grossen Bruch hab ich dem Grossteil meiner eigenen Familie zu verdanken. Es ist noch gar nicht lang her und dieser Bruch hat mich letztendlich letzte Woche zum Psychologen gebracht.

Dabei geht es mir gut und die allermeiste Zeit bin ich wirklich  gluecklich.

Aber jeder schleppt eben seinen Ballast irgendwo mit, und manchmal funktioniert es nicht, immer nur an die schoenen Dinge zu denken.

Manchmal kann ich einfach nicht anders, als an meine Familie zu denken und ein bisschen wuetend zu sein.

Und was soll ich sagen? Es war gar nicht so komisch wie gedacht. Es gab leckeren heissen Tee. Und irgendwie war es angenehm jemand neutralem die 1001 Geschichten zu erzaehlen die es ueber meine Familie zu erzaehlen gibt;-) Es war viel weniger schwierig als gedacht.

Klar, ich war erst einmal da und kann noch gar nicht sagen, ob es mir nun letztendlich was bringt ueber die 1001 Geschichten zu reden oder nicht. Es ist auch nur eine Beratung und keine Therapie.

Dennoch bin ich froh, diesen Schritt gemacht zu haben. Weil mit jemandem neutralem reden manchesmal  gut sein kann. Es zeigt letztendlich keine Schwaeche, sondern macht staerker. Meistens zumindest, und vorrausgesetzt, man erwischt die richtige Person. Es gibt ja auch genug schwarze Schafe. Maeh.

In vielen anderen Laendern ist es schon vollkommen normal zum Psychologen zu gehen. In Deutschland leider nicht so. Dass macht es auch umso schwieriger, diesen Schritt zu machen, weil man dies oder dass denkt.

Vielleicht aendert sich dass in Deutschland ja auch noch eines Tages?

Wer weiss es schon.

In diesem Sinne, euch allen einen schoenen Sonntag.

 

 

 

 

 

 

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13 Kommentare

  1. Auch mir hat mein Psychologe schon sehr geholfen, als ich dachte, dass ich mit bestimmten Dingen nicht allein klarkomme. Ich gehe immer mit einem Lächeln aus seiner Praxis, egal wie traurig ich sie betreten habe, und bin dankbar dafür.

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  2. Tut mir leid, dass Du mehrfach schon solche großen Brüche hattest. Und ebenso schade finde ich es, wenn die Beziehung zur eigenen Familie nicht so ist, wie sie theoretisch sein sollte. Ich drück Dich und hoffe, dass Du mit dem dritten Bruch irgendwie abschließen kannst. 🙂

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  3. Mir hat eine mehrjährige Therapie bei einer Psychologin auch sehr geholfen. Und ich dachte auch, man sollte regelmäßig „psychologische Hygiene“ betreiben. Es sammelt sich iel an in einem Leben – und mnchmal braucht man professionelle Hilfe beim Entrümpeln und Sortieren!

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  4. Ich finde es bemerkenswert, dass du so einen Schritt gemacht hast. Dabei kann ich dich wirklich gut verstehen, dass man darüber reden sollte.
    Von Psychiatern kann ich auch ein Lied singen. Hier war ich lange auf der Suche und war auch beim Psychologischen Dienst der Universität. Hat nichts gebracht und so wurde alles immer schlimmer. Nachdem ich dann nach eineinhalb Jahren endlich einen Psychologen gefunden hatte, war ich sogar schon über meinem Limit.
    Deshalb bin ich in die Tagesklinik gegangen und dort drei Monate geblieben. Anfangs war es wirklich sehr schwer, aber es hat mir sehr geholfen über alle meine Sachen zu reden.
    So wünsche ich dir alles gute und einen guten Start ins Berufsleben.

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    1. Ja irgendwie schleppt man sonst irgendwann einfach zu viel mit.
      Es tut mir leid dass der psychologische dienst nichts brachte. So einen schritt zu machen kostet schon echt überwindung und wenn es dann nix bringt…:-0
      Aber freut mich dass du am ende doch hilfe gefunden hast. Ich flaube auch, der anfang ist am schwersten.
      Liebe grüsse😙

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