Auswandern nach Frankreich

Sprachliches Fiasko

Vor einiger Zeit besuchte uns mein Bruder mit seiner Frau und den kleinen Nichten.

Die groessere der beiden hatte Geburtstag gehabt und, wie immer viel zu spaet dran, rannte ich am angekuendigten Ankunftstag durch Auchan um ein passendes Geschenk zu finden.

Was mich wirklich schockierte war, dass es dort nur Plastik gibt. Aber wirklich NUR Plastik. Das Angebot an blinkendem, klimpernden Wasweissichnichtalles haute mich schlicht um. Riesengaenge mit Riesenregalen, alles voller Plastikkram fuer Kinder. Ich find es ja wirklich nicht schlimm, wenn Kinder (auch) Plastikspielzeug haben. Aber nur. Wo sind die schoenen Holzspielzeuge hin, mit denen wir frueher spielten?

Irgendwann fand ich ein Brettspiel, welches mir fuer eine 6-jaehrige passend erschien.

Zu Hause erzaehlte ich S. wie schlimm ich es faende, dass es dort nur Plastik gibt. Er hielt mir grinsend das Spiel unter die Nase. Ich hatte vollkommen uebersehen, dass das Brettspiel batteriebetrieben ist:-O Aber zurueckgehen wollte ich jetzt auch nicht mehr.

Die Nichte bekam also das batteriebetriebene Spiel, welches sie gleich sehr begeistert auspackte. Spielst du mit? Wie geht dass? Mein Bruder gab die Anleitung an mich weiter. Ist nur auf Franzoesisch. 

Das ist typisch fuer dieses Land. Ueberall anders druckt man die Anleitung in allen moeglichen Sprachen dieser Welt ab, nicht aber hier. Ueberall anders auch, in Staedten, Ansichtstafeln auch auf Englisch. Nicht aber in Frankreich.

Ich las die Anleitung einmal, zweimal, dreimal. 😀 Sie haette genauso gut chinesisch sein koennen. Mir fehlten tatsaechlich ausreichend Woerter um diese Anleitung zu uebersetzen und um meiner Nichte zu erklaeren wie dieses bloede Spiel funktioniert. Da S. zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu Hause war, sahen wir letztendlich im Internet nach.

Wie depremierend ist dass denn:-O Jetzt hatte ich diese Sprache jahrelang in der Schule, bin mit einem Franzosen verheiratet und lebe hier, und dann haelt mir ein Kind eine Anleitung hin und ich bin vollkommen ueberfordert.

Kurz zuvor war ich sogar an dem Punkt angekommen, dass mein Franzoesisch schon ganz ok sei. Was fuer eine kalte Dusche:-O

Jetzt wird also jeden Abend die franzoesische Zeitung gelesen, Nachrichten auf franzoesisch geschaut und Vokabeln gelernt. Zeitweise hab ich das ganz schoen schleifen lassen.

Integration ist nicht leicht

Eine meiner besten Freundinnen kommt aus Pakistan. Eine andere aus Vietnam.

Beide wurden bereits in Deutschland geboren und in beiden Faellen sprechen jeweils beide Elternteile kein Wort deutsch.

Die pakistanische Familie lebt in ihrer eigenen pakistanischen Welt. Sie traegt pakistanische Kleidung, isst pakistanisch und geht, soweit moeglich, auch zu pakistanischen Aerzten. Die Tochter (meine Freundin) darf, obwohl fast 30 und Biologin, nur raus und Freunde treffen, wenn die Eltern es erlauben. Allerdings tritt nun ein Wandel ein. Der Sohn verliebte sich in eine Deutsche die schwanger wurde, bevor der Vater ueberhaupt von der Existenz dieser Frau wusste. Der Vater war nicht begeistert, willigte aber letztendlich ein. Er liebt seinen strohblonden kleinen Enkel sehr. Der Kleine spricht, seit dem Besuch eines deutschen Kindergarten nur noch deutsch, und nun, nach ueber 30 Jahren, lernen die Grosseltern mit dem Kleinem gezwungenermassen deutsch:D

Die vietnamesische Familie lebt ganz auf vietnamesische Art. Mitten in Deutschland und trotzdem  mitten in Vietnam. Ich hab sehr viel Zeit in dieser Familie verbracht, in Deutschland und auch ein paar Monate in Vietnam.

Einer der Brueder der vietnamesischen Freundin  heiratete eine Frau, die bis dato in Vietnam gelebt hatte. Inzwischen ist sie seit ueber 15 Jahren in Deutschland und spricht immer noch kein Wort Deutsch. Ich hab das nie verstanden. Ich dachte, wenn man so jung in ein fremdes Land kommt, kann es doch nicht so schwer sein.

Kuerzlich beschwerte sich widerrum eine andere Freundin von mir darueber, dass ihr Freund (Spanier), sich nach 2 Jahren immer noch nicht an Deutschland gewoehnt hatte, immer noch kaum die Sprache spricht und die meiste Zeit zu Hause verbringt. Sie versteht dass nicht. Und frueher haette ich es vermutlich auch nicht verstanden.

Jetzt aber bin ich selbst „Auslaenderin“ und ploetzlich liegen die Dinge anders. Ganz anders:-D

Ich hab mehrere Jahre franzoesisch in der Schule gehabt. Ich hab einen Franzosen geheiratet.

Man koennte meinen es ist „leicht“. Man koennte meinen ich beherrsch die Sprache „perfekt“. Ist es aber nicht und tu ich nicht.:-D  Man erlebt staendig neue Ueberraschungen. Hoehen und Tiefen. Obwohl man meinen sollte, zwischen Deutschland und Frankreich besteht nicht der Wahnsinnsunterschied (tut es auch nicht) blick ich oft nicht durch. Ich ess auch fast ausschliesslich deutsches Essen, schau eher deutsches als franzoesisches Fernsehen (wenn mein Kind mich laesst, bzw. ich nicht vor dem Fernseher einschlaf:-D) und, haette ich die Wahl, wuerde ich wahrscheinlich in Deutschland zum Arzt gehen. Shame on me:-O Aber nicht weil ich mein der Deutsche waer besser. Nein. Die S.p.r.a.c.h.e.

Mein Ziel ist es mich hier zu integrieren. Unbedingt!

Jedenfalls: Ich hab nun nochmal deutlich mehr Verstaendnis dafuer dass eine Integration nie leicht ist. Ich stell jeden Tag bereits mit Frankreich fest, dass es nicht leicht ist. Wie also mag das wohl sein, wenn man aus einer ganz anderen Kultur kommt.

Man darf nur nicht aufgeben!

Ausflug nach Colmar

S. kann ueberraschenderweise nun doch schon diesen Montag mit seiner Umschulung (Formation) beginen. (Verstehe einer die Aemter, aber dazu vielleicht ein andermal mehr:-D)

Das sind super Neuigkeiten und um das zu feiern, beschliessen wir spontan nach Colmar zu fahren.

Die Fahrt von Strasbourg nach Colmar dauert (bei maessigem Verkehr) eine knappe Stunde und weil wir recht frueh losgefahren sind schaffen wir es (fuer franzoesische Verhaeltnisse) recht schnell einen Parkplatz zu ergattern.

Colmar ist voll im Weihnachtsfieber. Die Stadt ist reichlich geschmueckt, viel mehr als alle deutschen Staedte die ich in den letzten Jahren gesehen hab. Vor allem auch viel kitschiger:-D Nur Strasbourg hat Colmar letztes Jahr uebertrumpft.

Der Weinachtsmarkt (Marché de20151205_125309_resized Noël) ist fuer eine Stadt in der Groesse von Colmar (knapp 120.00 Einwohner) beachtlich und das finden nicht nur wir. Dutzende Nationalitaeten tummeln sich dort, allen voran Italiener. Man hat fast das Gefuehl, dass sich nun alles ein bisschen nach Colmar verlegt weil in Strasbourg dieses Jahr aufgrund der Terrorgefahr nicht so viel los ist wie sonst.

Eigentlich ist die Sache mit dem Weihnachtsmarkt so gar nicht franzoesisch, sondern was elsaessisches und die Elsaesser haben es von den Deutschen uebernommen. Erzaehlte mir zumindest jemand, Angaben ohne Gewaehr:-D

Aber auch sonst gibt es in Colmar viel zu sehen : Fachwerkhaeuser, Klein Venedig, alte Kirchen, ein Markt, ein Spielzeugmuseum uvm.

Auch fuer Kinder ist etwas dabei : in einem Park befindet sich ein wunderschoenes altes Karusell mit dem garantiert jedes Kind viel Spass haben kann. Gleich daneben befindet sich eine Bude, wo man Crepes essen kann.

Der Tag in Colmar war wirklich schoen. Auf dem Rueckweg sind wir ueber Breisach gefahren, wo wir noch Pizza essen waren. Wenn noch mehr Zeit gewesen waere, haetten wir auch noch einen Abstecher nach Freiburg machen koennen, aber fuer unsren kleinen Zwerg waere das definitiv zu viel gewesen:-)

 

 

Der Traum vom Auswandern

Meine Vorstellung vom Auswandern war immer romantisch gewesen.

Strand, Sonne, Palmen, viele nette Menschen die man sofort kennenlernt und so weiter. Natuerlich gab es in meiner Vorstellung nie den Hauch eines Zweifels.

Und natuerlich war das reichlich naiv gedacht:-D

Auswandern hat nichts mit Urlaub zu tun und ist schon gar nicht romantisch. Sowas kann man auch nur mit Mitte 20 noch denken, wenn ueberhaupt:-D

Auswandern ist nicht den ganzen Januar auf einer thailaendischen Insel zu verbringen, monatelang bei der Familie deiner besten Freundin in Vietnam zu wohnen und nur noch Reis zu essen (um danach mit 10 kg weniger zurueckzukommen:-D), sich in Afrika staendig komplett zu verlaufen und stundenlang nach dem richtigen Bus zu suchen oder durch Laos zu irren.

Ich hab all diese Reisen geliebt. Aber es war Urlaub. Irgendwie auch eine Reise zu mir selbst. Ich hab viel gelernt in dieser Zeit.

Ja, und jetzt bin ich in Strasbourg:-D Ohne Palmen, ohne Strand und ueberhaupt nicht romantisch:-D

Nicht der Abenteuersinn hat mich hierher verschlagen, sondern rein berufliche Gruende. (Ok, vielleicht auch ein bisschen der Abenteuersinn:-D)

Aber ich war mit meinem Leben zufrieden. Meine ganze Familie ist dort. Meine Freunde ebenfalls.

Und jetzt find ich mich hier wieder, in einer Stadt in der ich kaum jemanden kenne, mit einem kleinen Kind. S. wird bald in der Arbeit sein. Dann bin ich allein:-O

Heute Nacht ueberkamen mich ploetzlich Zweifel: Waere es tatsaechlich so unmoeglich gewesen  zu bleiben? Waere es schlimm gewesen, wenn unsere Tochter nur mit Papa franzoesisch geredet haette?  Seit wann bin ich so unsicher geworden? Ist dass wieder der Muttereffekt?

Dennoch bin ich fest entschlossen unser Leben hier in Angriff zu nehmen. Ich will nicht zu der Gruppe Auswanderer gehoeren, die Monate, 1, 2, oder 3 Jahre spaeter zurueckkommen und erklaeren gescheitert zu sein. Nein.

Vor allem muss ich franzoesisch lernen. Warum kann ich eigentlich nicht schon laengst besser franzoesisch? Shame on me.

Immerhin kann ich behaupten, seit ich S. hab, es zumindest groesstenteils zu verstehen. Ich komm durch. Dass haette ich zu meinen Schulzeiten und in der Zeit vor S. nicht unbedingt behaupten koennen:-)