Auswandern

Not my day

Ich hab gerade voll Heimweh.

Vielleicht liegt es (Auch) daran dass der Mann gerade beruflich sehr eingespannt ist. Er ist vor 6 Uhr morgens weg und kommt Abends nach Hause wenn Mini laengst im Bett liegt.

Und dann ist er muede und muss schon bald wieder ins Bett weil er ja wieder frueh raus muss. Das ist verstaendlich. Aber so kommt es halt dass wir uns praktisch kaum noch sehen. Gestern haben wir kaum  15 Minuten miteinander geredet.

Vielleicht vermiss ich deshalb gerade unser altes Leben so sehr. Klar haben wir hier neue Kontakte. Aber das laesst sich nicht vergleichen. Wie auch, sowas dauert Jahre. Oder? Vielleicht kriegen es andere eher hin – ich aber nicht.

Zugegebenermassen dachte ich es waere vor allem mit Kind leichter. Aber ich kann nicht stundenlang X-fach betonen, wie suess X, Y oder Z sind. Ich kann nicht 1000-fach ueber neue Fortschritte, Schlafverhalten und Ausscheidungen reden. Was nicht heisst, dass ich mein Kind weniger lieb. Aber wie auch immer.

Es weiss jeder dass es nicht leicht ist, irgendwo anders neu anzufangen. Es gibt viele gute Tage, aber es gibt auch schlechte Tage. Tage, an denen man Heimweh hat und einfach heulen koennte. Da bringt es auch nichts, sich zu sagen dass irgendwann alles besser wird und dass es toll ist an einem Ort zu leben wo andere Urlaub machen. Was bringt dass wenn man einfach nur nach Hause will.

Diesmal kann ichs nicht mal auf meine Hormone schieben. Vielleicht bin ich gerade neben der Spur weil Mini jetzt in der Creche ist und ich mir jetzt ein neues Leben aufbauen muss und ich irgendwie planlos bin. Oder ich vermiss einfach nur den Mann.

Am liebesten wuerde ich mich jetzt von ihm troesten lassen aber der hat genug um die Ohren.

 

 

U6 in Frankreich

Kuerzlich stand bei Mini die U6 an.

Wieder in Frankreich und wieder machte ich mir Sorgen wegen der Sprache. Franzoesisch und ich stehen miteinander auf Kriegsfuss, zumindest meinerseits. Mein Mann seinerseits findet ich bin verrueckt:-D  Damit hat er wohl auch Recht.

Aber zurueck zur U6: Der Arzttermin war nicht das einzige Problem an diesem Tag. Ich musste die Strassenbahn nehmen weil mein Mann das Auto brauchte. Und Mini und ich sind noch nie Strassenbahn gefahren.

Irgendwie war mein Kopf voll von Bildern von Muettern in ueberfuellten Strassenbahnen, mit  Kinderwagen eingeklemmt, dem Kind, dass gerade einen Wutanfall hat, und von genervten Mitfahrern die die Augen verdrehen, tuscheln oder die Mutter bloed anreden.

Aber meine Sorgen war unbegruendet. Mein Mann schrieb mir genau auf wo und wie wir von A nach B und C kommen, wo wir umsteigen muessen und wie wir von der Haltestelle zum Kinderarzt kommen. Bei meinem unterirdischem Orientierungssinn echt gut:-D  Der Kinderwagen wurde zu Hause gelassen und Mini wurde einfach unter den Arm geklemmt. Mini fand Strassenbahn fahren toll. Alles war „Oh und „Ui“. 😀

Und die U6? Wir hatten Glueck, keiner  sonst war da und wir durften gleich zu der netten Aerztin die auch schon die U5 gemacht hat. Diesmal gab es ein paar Tests die Mini alle gut gemeistert hat. Und auch sonst alles gut. Sehr duenn und leicht. Das wird wohl nichts mit Gewicht verdreifachen im ersten Jahr, aber die Aerztin findet das nicht schlimm. Und ich? Obwohl ich mich wieder mal unangebracht reingesteigert hab, dass mein Franzoesisch nicht ausreicht, hat alles gut funktioniert. Chakka. Ich hab s sogar geschafft, der bissigen Frau vom Empfang zu erklaeren, dass ich meine EC-Karte nicht dabei hab und mein Mann heute nachmittag vorbeikommt um die 60 Euro fuer die U6 zu bezahlen. Kaum sind ein paar Tests dabei ist es gleich doppelt so teuer. Gluecklicherweise bekommt man 90 % von der Krankenkasse zurueckerstattet. Und warum muss man dann ueberhaupt zuerst selber zahlen? Damit die Leute wissen, wie teuer ein Arztbesuch ist und nicht wegen nichts staendig zum Arzt rennen sagt mein Mann. Aha.

Jedenfalls: der Tag war erfolgreich. Alles gut gemeistert. Vielleicht freunde ich mich doch noch mit der franzoesischen Sprache an?

Die Rueckfahrt mit der Tram verlief ebenfalls ohne Probleme. Mini war danach so erschlagen, dass sie erstmal 2 h schlief. Vielleicht probieren wir nun saemtliche Netze der Stadt durch?:-D

 

Einfach nur gefaehrlich…

Gestern in Freiburger Hauptbahnhof. Zahlreiche Jugendliche, die auf dieser Bruecke sitzen. Ein Absturz waere wohl toedlich.

Damals, selbst Jugendlich,  hab ich nie verstanden, warum Erwachsene so oft den Kopf schuettelten, wenn es um irgendwelche Heldentaten der so coolen  Jugendlichen ging. Warum Erwachsene manchmal genervt waren. Warum ich manchmal den Eindruck hatte, dass sie Jugendliche einfach nur doof finden.

Ich sag nicht das Jugendliche generell doof sind und man sie nicht ernst nehmen sollte.

Aber manchmal kommen sie einfach nur auf dumme Ideen. Warum ist man so bloed und klettert auf eine Bruecke, von welcher ein Absturz wohl den Tod bedeuten wuerde? Das ist einfach nur dumm. Viele machen dass. Alle machen dass. Aber was ist, wenn es eben ein einziges Mal nicht gut geht?

Frueher hatte ich wohl gedacht, wie cool. Jetzt denk ich, wie dumm. Ich werd alt:-D

Gluecklicherweise dauert es noch, bis mein Kind alt genug ist um auf solche Ideen zu kommen.

 

55 Stunden Creche pro Woche

Kuerzlich trafen wir uns mit einem (franzoesischem) Paerchen, dass wir vor einigen Monaten kennengelernt hatten und deren Kind. (ebenfalls fast 8 Monate alt).

Deren Kind ging bereits mit 3 Monaten 40 H / Woche in die Creche.

In Frankreich ist das nicht ungewoehnlich. Das System hier funktioniert ganz anders, Elterngeld in diesem Sinne gibt es nicht und auf diese Weise koennen/duerfen/muessen Muetter schnell zurueck in den Job.

Nach einigen Monaten hier weiss ich aber nun, dass viele Eltern, sofern die Moeglichkeit vorhanden, ihre Kinder laenger zu Hause behalten.

Bei betreffendem Paar besteht die Moeglichkeit ebenso. Der Mutter ist der Job wichtiger, sagt sie. Seit sie nun wieder Vollzeit arbeitet, wird die Kleine morgens um 7:30 Uhr abgegeben und abends um 18:30 abgeholt. Also die Oeffnungszeiten der Creche voll ausgenutzt.

Und wie laeuft dass dann? Morgens schnell aus dem Bett holen, eine Flasche, anziehen. Ab zur Creche. Abends aus der Creche abholen, umziehen, eine Flasche, ab ins Bett erzaehlt die Mutter.

Und der Vater: Meine Eltern haben ein immenses Problem damit dass das Kind in dem Alter schon so viel fremdbetreut wird. Aber ich seh da kein Problem. Da kann sie mit anderen Kindern spielen. Und die Mutter dazu: Ja wofuer gibts denn auch KinderbetreuungLetztens haben wir uns beide einen Tag freigenommen. Das Kind haben wir trotzdem in die Creche gebracht. Mit der Kleinen kann man ja nicht mehr als 3 Geschaefte machen. Sie zuckt die Achseln. Manche schauen uns schon bloed an, weil unser Kind jeden Tag so lang da ist. (in Frankreich)

Aha. Gesagt hab ich nicht viel dazu.  Jeder muss ja fuer sich selbst und fuer sein Kind entscheiden, was das Beste ist, welche Lebensweise am Besten zu der momentanen Lebenssituation passt was moeglich ist und was einem wichtig ist.

Leid getan fuer das Kind hat es mir trotzdem. Ich denke in diesem erstem Lebensjahr braucht ein Kind in erster Linie seine Eltern. Und egal wie gut die Erzieherinnen sein moegen, egal wieviel Muehe sie sich geben, sie koennen einem Kind nie die Liebe entgegenbringen, die es von seinen Eltern bekommen sollte. Sie koennen dem Kind auch nicht die Aufmerksamkeit geben, die es vielleicht braeuchte. Und wenn ich daran denk, dass ich nach 8 Stunden Arbeit schon geschafft bin und  heim will und Ruhe brauch, frag ich mich wie dass alles dann auf das Kind wirken muss.

Dabei bin ich niemand der sein Kind „ueberbehuetet“ oder dafuer bin, dass ein Kind bis zu seinem 3. oder gar 6. Lebensjahr zu Hause sein sollte. Ab April kommt mein eigenes Kind 2 Mal die Woche 3 Stunden in die Creche. Einfach weil wir hier einfach gar keine Familie haben, die mir die Kleine mal kurzzeitig abnehmen koennte.

Ehrlicherweise muss ich auch zugeben, dass ich die Frau in gewisser Weise einen Moment lang ein kleines bisschen beneidet habe. Natuerlich fehlt mir manches Mal die Arbeit, die „Erwachsenenwelt“. Natuerlich ist es auch schoen, schicke Klamotten anzuhaben und nicht den ganzen Tag Gefahr zu laufen, das demnaechst wieder Kinderkotze darauf landet:-D

Aber: mir persoenlich ist es das nicht wert. Ich lieb mein Kind und ich geniess die Zeit mit der Kleinen. (was widerrum nicht heisst dass man den ganzen Tag auf Wolke 7 schwebt:-D Es ist anstrengend, keine Frage. )Aber auch so schoen zu erleben, wie aus einem Neugeborenem langsam ein Kind wird. Mitzubekommen, wie es sich entwickelt. Jeden Tag die Fortschritte, die es macht zu sehen und auch (Hilfe:-O) festzustellen, dass das Kind, das eben noch ein hilfloses Neugeborenes war, ploetzlich Wutanfaelle bekommt, wenn es was nicht darf oder kriegt. 😀

Ich (fuer mich) kann sagen, dass ich kein Kind bekommen hab, um es nach wenigen Wochen den ganzen Tag fremdbetreuen zu lassen. Natuerlich haengt dass immer davon ab, ob man die Moeglichkeit hat, ueberhaupt 1 Jahr zu Hause zu bleiben.

Und natuerlich freu ich mich auch wieder auf die Arbeit. Was mir allerdings gleichzeitig Angst macht, weil ich noch ueberhaupt nicht abschaetzen kann, wie das funktieren soll.

 

„Ich war beim Franzosen…“

Kuerzlich verbrachte ich mit meinem Zwerg ein paar Tage in meiner Heimatstadt.

Bei dieser Gelegenheit traf ich auch eine ehemalige Arbeitskollegin, die ich  ewig nicht mehr gesehen hatte.

Wir liefen durch die Stadt und redeten ueber Gott und die Welt. Machten praktisch da weiter, wo wir fast ein Jahr zuvor aufgehoert hatten:-D

Irgendwann sagte sie ploetzlich:“Ich war beim Franzosen“ Ich musste erst einmal kichern. Man geht zum Japaner, zum Chinesen, zum Italiener oder auch zum Griechen. Das man zum Franzosen geht, hatte ich bis dato nie gehoert und irgendwie hoerte es sich im ersten Moment einfach lustig an, vielleicht auch weil ich mit einem Franzosen verheiratet bin. Denken sich eigentlich Japaner und Co. auch jedesmal dass es sich lustig anhoert, wenn sie hoeren, dass man zu ihnen geht?!:-D

Jedenfalls zaehlte mir die ehemalige Kollegin dann auf, was sie alles gegessen hatte und fragte mich, was denn eigentlich mein liebstes Essen aus Frankreich sei.

Ich ueberlegte und ueberlegte und ueberlegte und…shame on me…mir fiel nicht so wirklich was ein.

Ich muss dazu sagen, dass ich, was Essen betrifft (leider)  nicht unbedingt ein offener Mensch bin. Ich lieb am meisten die bayerische Kueche, ess gern Salate, Pommes Frittes und italienische Pizza und Pasta.

Irgendwie blieb das Thema „Ich war beim Franzosen“ bei mir haengen und mir fiel auf, dass ich (noch mehr shame on me:-O) ueber franzoesisches Essen kaum was weiss.

Das hat sich weder geaendert, als ich mit meinem Mann zusammenkam noch als wir hierher zogen.

Mein Mann hat sich erstaunlich schnell an deutsches Essen gewoehnt. Er hat nach kurzer Zeit mit Begeisterung Kaiserschmarrn, Kaesspaetzen, Dampfnudeln und Bretzstrudelsuppe gegessen. Wenn wir in Frankreich im Urlaub waren, ass er natuerlich franzoesisch. Ich meist Pasta oder Pizza. Ja,,,shame:-D

Inzwischen wohnen wir hier und ich hab endlich kochen gelernt. Musste ja:-D Ich koch aber meist bayrisch, weils mir eben am meisten schmeckt und mein Mann alles isst.

Und so kommt es, dass Frankreich fuer mich immer noch Baguette und Wein ist, Crepes, Flammkuchen, Quiche Lorraine und – natuerlich – guter Kaese.

Aber dass soll sich jetzt aendern! Ist doch irgendwie doof, in Frankreich wohnen, aber nur deutsch, bzw. italienisch essen. Das geht gar nicht.

Ausserdem glaube ich, wuerde es meinen Mann schon freuen:-D Und die Kleine soll ja irgendwann auch mal beides kennenlernen.