Frankreich

Zuckertest und so

Vielleicht hab ich ja schon mal geschrieben, dass es in Frankreich ein bisschen anders ist als in Deutschland.

Für Blutabnahmen, den Zuckertest und pipi muss man ins Labor.

Zum Glück ist die Klinik in der Nr.  2 auf die Welt kommen soll nicht allzu weit entfernt und zum Glück gibt’s da auch ein separates Labor.

Zugegebenermaßen hätte ich den Termin heute früh am liebsten abgesagt und mich wieder ins Bett verkrochen. Der krippenvirus🤔

Aber hilft ja nix. Also kam ich irgendwann da an und eigentlich war es auch gar nicht schlimm.

Zuerst  Blut abnehmen, dann in den Becher pinkeln, nach 1 h wieder Blut abnehmen und das süße Getränk trinken und Widerrum 1 h später nochmal Blut abnehmen. Morgen kann ich die Ergebnisse holen.

Irgendwie sagen ja alle dieser Saft wäre so eklig,  aber fand ich irgendwie gar nicht.

Die zeit wurde halt irgendwann lang, aber zum Glück hatte ich ein Buch dabei.

Die Frauen waren auch alle nett. Ich hab sogar einen extrawsrtezimmer mit eigener liege bekommen und am ende haben sie mir Kaffee spendiert. Ich glaube, mir geht es in Frankreich jetzt ein bisschen wie dem Mann anfangs in der Heimatstadt.

Die ersten Jahre hatte er nämlich noch einen ziemlich französischen Akzent und die meisten fanden dass irgendwie cool.😀 nach dem Prinzip uiiii ein franzoooose.

Ich glaube bei mir ist das jetzt ähnlich. Man könnte ja meinen im Elsass wäre das irgendwie anders, weil hier prinzipiell ja viele deutsche rumrennen, aber wenn es um arztbesuche und sowas geht bleibt eben doch lieber jeder in „seinem“ Land.

Es gibt hier sogar deutsche die nur wenige km von der französischen grenze wohnen, hier schon geboren und aufgewachsen sind und noch nie in Frankreich waren. Andersrum gibt’s dass auch.

Jedenfalls hat es mit der sprache gut geklappt und jetzt hoffe ich halt, die Ergebnisse sind alle ok.

Geht doch.

Als ich den Mann kennengelernt hab, hab ich gar nicht erwähnt, dass ich irgendwann mal in der Schule französisch hatte. Vergessen oder so;-)

Klar hat er es von irgendwem dann trotzdem erfahren.   Und natürlich ging es dann los. Wiiiiiiieeee, du hast in der Schule mal französisch gehabt? So so. Na, dann können wir ja jetzt auch französisch reden. Hi.hi.hi. Klar. Ich und französisch.

Mir hat sich zu Schulzeiten wegen französisch zwar nie direkt der Magen umgedreht, was wegen bspw. Mathe, Chemie oder Physik durchaus vorkommen konnte, aber französisch gehörte definitiv nie. nie. nie. zu meinen Lieblingsfächern.

Englisch war immer  „meine“  Sprache. Englisch kann man einfach reden, ohne 1001 mal zu überlegen, an welcher Stelle das Verb nun stehen muss und wie man es denn Jezt wieder verändern muss. Englisch ist einfacher zu verstehen, und generell irgendwie leichter. Es gab mal eine Zeit in der ich wirklich gut in Englisch war, denn all die Zeit im Ausland war Zeit in der nur Englisch gesprochen wurde.

Französisch hat mich immer genervt. Schon allein die Aussprache, die vielen Striche und Akzente, und überhaupt die Grammatik. Wuah. Ich hatte zwar nie schlechte Noten, aber vieles war einfach nur kurz auswendig gelernt und danach wieder weg. Französisch reden ging gar nicht. Haben wir in der Schule auch nicht oft, und wenn wir doch mal ein paar Sätze sagen mussten, war dass irgendwie unterirdisch. Ein einziges Rumgehampel. Allerdings nicht nur bei mir.Wenigstens dass;-)

Jedenfalls: ich hatte nach der Schule nix mehr mit französisch zu tun. So gar nichts. Und ich hab es nicht vermisst.

Hätte mir jemand gesagt, dass ich mal in Frankreich leben könnte, mein Kind (auch) die französische Staatsbürgerschaft hat und zweisprachig aufwächst hätte ich dieser Person einen Vogel gezeigt. Ganz sicher.

Die erste Zeit in Frankreich war aber auch hart. Wie oft hab ich mir die Frage gestellt, was ich hier überhaupt mach. Und überhaupt. H.i.l.f.e. Frankreich, Franzosen, die französische Sprache. Wenn ich mich plötzlich zwischen lauter Franzosen wiedergefunden hab und was s.a.g.e.n. musste oder sollte, hätte ich mich  1001 Mal am liebsten wie Harry Potter einfach weggezaubert. Weit weg.  Die Franzosen machen es einem aber auch manchmal nicht leicht, am Anfang. Wenn man sich bemüht einen halbwegs geraden Satz auszusprechen, und dann auch noch angeschaut wird, als käme man vom Mars fördert dass nämlich nicht unbedingt das Selbstvertrauen;-) Zeitweise hatte ich eine richtige Sprachbarriere. Zum Glück haben mich nicht alle Franzosen wegen meinem unterirdischen Aussprache angeschaut als käme ich von einem anderem Planeten und zum Glück sind diese Anfangszeiten vorbei. Puh.

Jedenfalls: gestern war ich mit Mini im Park unterwegs und Kindlein freundete sich mit einem gleichaltrigem englischem Jungen an. Die beiden waren ein Herz und eine Seele und untrennbar. Also stand ich da mit der Mutter. Ich hab schon länger festgestellt, dass mir zwischenzeitlich nun mein Englisch fast komplett abhanden gekommen ist. Irgendwie verschütt gegangen, leider. Ich kann nun plötzlich keine geraden Sätze mehr auf Englisch formen, s.t.ä.n.d.i.g. kommen da jetzt französische Wörter raus. Tssss. Dabei ist doch Englisch immer „meine“ Sprache gewesen.

Und als diese Mutter dann erzählte, dass sie auch in Frankreich wohnt und gar nicht nur zum Urlaub hier ist, war ich echt froh. Weil wir dann nämlich einfach auf französisch reden konnten. Gibts dass denn. Dass es mal soweit kommt hätte ich nun wirklich nicht gedacht.

 

 

 

 

Kontrolltermin Hebamme

Die Franzosen machen mich noch verrückt. Der Geburtstermin wurde nun wieder um eine ganze Woche verschoben.

Zuerst wurde er in Deutschland schon mal verschoben, dann wurde er in Frankreich wieder verschoben, weil man in Frankreich 1 Woche länger schwanger ist, dann kam eine Hebamme, von der ich eigentlich nur eine Bescheinigung darüber wollte, dass ich eben schwanger bin auf den Trichter, dass es aber doch der deutsche Termin sein müsste und gestern verschob ihn „meine“ Hebamme wieder auf den ursprünglichen französischen Termin zurück. Wuah.

Und dass obwohl ich doch eh schon manchesmal gedanklich wegen der Geburt Karussell fahr. Was wenn grad zufällig das Kind genau dann auf die Welt kommen will wenn k.e.i.n.e.r. da ist um auf Mini aufzupassen? Wenn irgendwas schief geht, wenn wir niemanden erreichen, wenn meine Mutter sagt sie kommt nicht oder oder oder. Und ich dann ganz ganz ganz allein in einem französischem Krankenhaus ein Kind auf die Welt bringen muss. Nicht dass das in einem deutschem Krankenhaus erstrebenswerter wäre:-O Naja. Zum Glück ist bis Dezember ja noch ein bisschen Zeit.

Jedenfalls war der Termin Ansich echt gut. Ich hätte nie gedacht, dass mich diese Kontrollen in Frankreich weniger stressen könnten als in Deutschland.

Die Hebamme ist aber auch nett. Ich musste nicht warten und die Hebamme hat sich eine ganze Stunde Zeit genommen. Gespräche finden nicht nur zwischen Tür und Angel und total abgehetzt statt, sondern man kann wirklich einfach reden. Das kannte ich so von meiner deutschen Frauenärztin überhaupt nicht.

Sie kontrolliert auch den Muttermund, aber bei ihr muss man dafür nicht auf den Stuhl. Danke dafür. Sie tastet auch die Brüste ab, klopft auf den Beinen rum, wiegt (bisher nur 4 kg) und schaut nach dem Blutdruck. (für meine Verhältnisse echt ok). Chakka.

Gestern war sogar das passende Gerät da und wir konnten unseren Sohn auf dem Bildschirm bewundern. Damit hab ich überhaupt nicht gerechnet und die Freude war natürlich gross. Zufällig hat der Mann mich abgeholt und konnte dann auch noch schauen. Die Hebamme hat sich für einfach mal schauen einfach so tatsächlich mehr Zeit genommen als meine deutsche Frauenärztin für jeden einzelnen grossen Screen. Einfach mal so schauen gabs bei ihr nie und wenn nur gegen Bezahlung und auch nie länger als 5 Minuten. Gibts dass. Die Hebamme hat uns alles genau erklärt und alle mussten ziemlich lachen als der Mann die Nabelschnur mit was anderem verwechselt hat;-)

Jedenfalls geht’s dem Kindlein gut, es hat sich die ganze Zeit bewegt. Der „Punkt“ bewegt sich generell echt viel. Sollte ich den vl. jetzt schon im Fussballverein anmelden? 😀

Nächste Woche muss ich nochmal zu einem grossen Screen zu einem Arzt, weil man in Frankreich auch 3 macht und ich den 1. in Deutschland gemacht hab. Und weil Deutschland ja sooooo weit entfernt und soooo unbekannt ist zählt dass nicht und wir machen es einmal mehr.

In Frankreich muss man auch jeden Monat zur Blutabnahme in ein Labor und jeden einzelnen Blutwert bestimmen lassen. Irgendwie ein bisschen umständlich, aber irgendwie auch gut. Die Frauenärztin in Deutschland fand Blutwerte wohl generell nicht besonders wichtig und mein Eisenwert war irgendwann so richtig.richtig.richtig. am Boden. Das kann diesmal dann zum Glück nicht passieren.

Jedenfalls hat sich die Hebamme ziemlich gefreut, als ich ihr erzählt hab, dass es mir bei ihr viel besser gefällt als bei meiner deutschen Frauenärztin und das in Deutschland generell viele sagen, dass man bei den Hebammen in vielen Punkten irgendwie besser aufgehoben ist.

Sie hat dann ein bisschen über die französischen Ärzte gelästert. Ist dann wohl wie vielerorts in Deutschland. Die Hebammen mögen die Ärzte nicht unbedingt und umgekehrt genauso.

Dem Punkt gehts auf jeden Fall gut, dass ist die Hauptsache.

Fast Halbzeit

Unglaublich wie schnell die Zeit doch vergeht. Jaha, man schreibt dass immer wieder, aber es stimmt. Andrerseits kommt es mir gleichzeitig vor wie eine Ewigkeit, seit ich den 2. Strich auf diesem Test angestarrt hab und es nicht glauben konnte. Also rast sie wohl auch irgendwie;-)

Der Bauch ist zwischenzeitlich wirklich gewachsen. Und zwar nicht nur wegen der Mayonnaise;-) Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich den „Punkt“ mittlerweile spüre, also manchmal. Das ist schon toll.

Eigentlich geht es mir im Grossen und Ganzem echt gut. Ich hab keine ernsthaften Probleme, und dafür bin ich wirklich echt dankbar.

Am Wochenende ging es mir ziemlich elend, so stimmungsmässig. Die Ängste und so. Bestimmt haben die Hormone da auch nochmal ordentlich draufgehauen, aber nunja;-) Kopfweh hab ich zur Zeit auch oft, aber das liegt wohl eher einfach am Wetter. Glaube ich. Ich war ja schon immer irgendwie Kopfweh anfällig. Gestern war der Bauch auf einmal wirklich wirklich hart, es war wohl einfach zu viel gestern:-O Dafür lass ich es heute ein bisschen ruhiger angehen, obwohl mir sowas immer schwer fällt. Aber da ich sowieso schon wieder Kopfweh hab, das Wetter schlecht ist und mir irgendwie übel ist, fällt es mir nicht ganz so schwer wie normalerweise.

Anfang der Woche war auch wieder ein Kontrolltermin. Diesmal in Frankreich bei einer Hebamme. Ich will nämlich nicht mehr zu meiner skelettmässigen Frauenärztin.

Es war auch ok, die Hebamme war nett und es war auch kein Problem mit der Sprache. Gut, die Puppen und Becken die da auf Matratzen rumgelegen haben, damit man sich auch ja bildlich genug vorstellen kann wie Kinder so zur Welt kommen, haben mich schon ziemlich abgeschreckt:-O Also echt.

Aber: Ich musste mich zum Glück ja nicht mit denen befassen sondern hab einfach weggeschaut;-) Alles in allem hat der Termin ziemlich lang gedauert. In Frankreich bringt nämlich ein deutscher Mutterpass nicht viel, und wir mussten alles neu machen, Werte übertragen und pla. Ausserdem wollte sie wissen, ob ich schon mal eine Fehlgeburt hatte und wie die erste Schwangerschaft und Geburt war und dies und dass. Einiges. Ich muss nochmal extra in ein Labor, um aaaallle Blutwerte nochmal neu ermitteln zu lassen. Vielleicht hat man es in Deutschland ja auch nicht richtig gemacht, oder?,-) Aber egal. Immer wieder höre ich Leute sagen, das Elsass ja nicht „wirklich“ Frankreich ist und zugegebenermassen denk ich das auch manchmal,. Aber: In diesem Fall hätte ich den Mutterpass genauso gut in Schweden, Spanien oder Afrika vorlegen können.

Und dann kam die Untersuchung. Zum Glück hab ich nicht vorher gewusst, WAS die alles untersucht. Sonst wäre ich vielleicht abgehauen oder so?  Und zum Glück hab ich mir vorher die Beine rasiert:-O Diese Hebamme gab sich nämlich nicht mit halben Sachen zufrieden:-O Sie klopfte die Beine ab, tastete rum, untersuchte die Brüste, kontrollierte auf Hämorriden:-O und den Blutdruck. Dann kam der Muttermund dran und zum Glück durfte ich einfach auf der Liege liegen bleiben, aber letztendlich musste ich mich so verrenken, dass es keinen grossen Unterschied mehr gemacht hat ob es nun die Liege oder Stuhl gewesen wäre. Wuaaaaaaaaah. Ich bin wirklich froh, wenn das Kind gesund auf der Welt ist.

Endlich kam dann der Bauch dran und wir hörten das Herz. Das war der schönste Moment. Klar! Leider hatte der Punkt aber keine grosse Lust und haute immer wieder ab. Aber ok. Ich mag ja auch Keine Kontrollen;-) Leider war das Ultraschallgerät gerade nicht da und sie konnte nicht gucken, was der Punkt nun ist. Junge oder Mädchen. Ich wäre schon langsam neugierig.

Aber in 2 Wochen muss ich zum grossen Ultraschall und da kommt es dann vl. raus. Falls der Punkt sich nicht versteckt. Aber eigentlich auch egal, weil Hauptsache gesund. Das ist das allerwichtigste.

Wenn man plötzlich alles in Frage stellt…

Auswandern ist nicht nur Sonne, Strand, Palmen und Meer. Es bedeutet nicht, dass man den ganzen Tag Cocktails schlurfend in einer Hängematte liegt und sich des Lebens erfreut. Man weiss dass.

Ich wusste es. Naja, gut – eventuell dachte ich es wäre ein bisschen so. Also nicht mit Palmen und allem drum und dran. Aber ich dachte, glaubte, hoffte es wäre irgendwie leichter.

Der Mann und ich waren immer schon viel im Ausland. Monate, Jahre. Es gibt einige Ecken auf der Welt, die mir wirklich ans Herz gewachsen sind. Orte in Afrika, Orte in Asien, eine bestimmte Region in Italien und ein bisschen auch Kanada.

Dann zogen wir ins Elsass. Aber nicht weil uns diese Region irgendwie sehr am Herzen lag oder wir schon immer davon geträumt haben, mal im Elsass zu leben. Ehrlich gesagt kannte ich das Elsass kaum. Es war in aller erster Linie eine berufliche Entscheidung die uns hierhergebracht hat. Und klar, das Elsass ist schon toll, wenn einer aus Deutschland kommt und der andere aus Frankreich. Denn keiner muss wirklich auf „sein“ Land verzichten. Man kann einfach hin- und herspringen, in Deutschland zum Einkaufen gehen oder auch in Frankreich. Ganz wie man will. Und auch für Kinder ist dass toll. Sie wachsen einfach in beiden Welten auf.

Die ersten Monate im Elsass waren eine ziemliche Katastrophe. Denn das mit dem Job vom Mann funktionierte nicht so, wie es sollte. Ziemlich viel ging schief, und da standen wir dann. Als frischgebackene Eltern ein Traum;-)

Und auch das mit den neuen Freunden dauerte. Ich dachte nämlich mit kleinem Kind findet man sofort 1001 neue Freunde. Aber nein. Weil ich nämlich nicht die Mutter bin, die Stundenlang in einer Gruppe zusammensitzen und über Stilleinlagen und Co. sprechen kann.

Aber letztlich wandte sich doch alles zum Guten. Der Mann steht beruflich nun sogar besser da als zuvor und wir haben Freunde gefunden. Wir haben uns im Elsass eingelebt. Also alles supi, oder?

Ja. Aber kürzlich passierte es mir trotzdem, dass ich plötzlich alles wieder komplett in Frage stellte. So richtig komplett. Ich wollte zurück in die Heimatstadt, am allerliebsten sofort. Evtl. waren auch ein bisschen meine Hormone daran Schuld:-) Aber letztendlich kennt dieses Gefühl wohl fast jeder, der nicht mehr da lebt wo er herkommt und verwurzelt ist.

Manchmal will man einfach w.e.g.

Die eine Freundin, mit der wir hier sehr viel machen, war den ganzen Monat nicht da. Das war irgendwie doof. Besuch aus der Heimatstadt war da. Wir waren in der Heimatstadt. Und was soll man sagen. Die Freunde aus der Heimatstadt bleiben eben die einen Freunde. Die Heimatstadt bleibt die Heimatstadt.

Und auch wenn ich das Elsass mag und die Vorteile hier wirklich wirklich schätze und eigentlich wirklich zufrieden bin. Elsass ist mir bis heute nicht ans Herz gewachsen. Obwohl Strasbourg eine tolle Stadt ist. Obwohl der Schwarzwald und die Vogesen direkt ums Eck sind und. und. und. Vielleicht mag ich einfach die Alpen lieber. Und den Bayrischen Wald. Vielleicht ist mir das Elsass einfach zu deutsch, zu sauber, zu geordnet und die Dörfer zu herausgeputzt. Die elsässische Kultur interessiert mich einfach nicht. Wuhuuu.

Ich weiss es nicht.

Mittlerweile haben sich meine am liebsten sofort Fluchtgedanken wieder gelegt. Vielleicht liegt es daran, dass ich meine Hormone wieder im Griff hab;-) Oder dass die eine Freundin wieder da ist. Oder an unserem Bald-Urlaub.

Aber eines ist ganz sicher: wir werden nicht unser ganzes Leben im Elsass verbringen.

Wahlen und so

Frankreich hat bald einen neuen Präsidenten.

Seit langem sind in Frankreich die Wahlen ein grosses Thema und gestern Abend war es soweit: Das letzte TV – Duell live im Fernsehen zwischen den beiden verbliebenen Kandidaten stand an.

Klar sah es auch der Mann, der sich generell sehr für Politik interessiert an.

Wir schauten es dann zusammen an. Zumindest teilweise. Weil es manchmal doch ein bisschen anstrengend ist, wenn es nicht die eigene Sprache ist und man dann manchmal einfach ein bisschen abschaltet. Und eingeschlafen bin ich auch mal. Aber so ist das eben, dass passiert mir sogar bei Filmen die ich wirklich wirklich spannend finde;-)

Jedenfalls war diese Debatte vom Niveau her wohl kaum höher als es die von Clinton und Trump waren. Irgendwie wirkte das ganze wie ein Hahnenkampf, bei dem sich die beiden Hähne völlig unkontrolliert gegenseitig die Köpfe einschlugen. Klar, da waren 2 „Schiedsrichter“, aber irgendwie taten die nix. Gar nix. Vl. hat es ihnen die Sprache verschlagen? Oder sie waren zu überrascht um einzuschreiten? Oder trauten sich nicht? Oder vielleicht wollten sie einfach zuschauen, welcher Hahn nun zuerst zerstört auf dem Boden lag?.—) Wie traurig ist dass denn bitte?

Aber immerhin ging der Favorit vom Mann, Emmanuel Macron als Sieger aus dieser Debatte, bzw. Schlammschlacht heraus.

Es sieht so aus als würde er nun wohl wirklich Präsident werden.

Und dass ist gut so. Nicht nur weil es schlimm wäre wenn jemand wie LePen an die Macht käme, sondern auch wegen dem Mann.

Der möchte nämlich kein Franzose mehr sein und auswandern wenn LePen gewinnt. Französisch sprechen will er dann auch nicht mehr…und überhaupt:–)

Und dass jetzt wo ich mich gerade hier eingelebt habe.

Juhee.

Ostern anders als nach Plan

Der Mann und ich haben als Kinder ähnliche Ostern verbracht, obwohl er in Frankreich aufwuchs und ich in Deutschland.

Manchmal ging man in die Kirche, die ganze Familie kam zusammen, es gab viel Schokolade und es wurden Ostereier gesucht, klar. Bei uns gab es selten was traditionelles zu Essen am Ostersonntag und auch in der Familie vom Mann gab es kein Lamm, wie sonst in Frankreich oft üblich. Wegen Osterlamm und so.

Der eine Teil der Familie vom Mann lebt aber nicht mehr, und der andere ist überall auf der Welt verstreut. Also kein Ostern mit der (Rest)Familie vom Mann, weil zu weit. Mit dem grossem Teil meiner Familie ist ein gemeinsames Osterfest derzeit leider  auch keine Option. Wir haben aber ein Kind, und unser Kind soll trotzdem was von Ostern haben. Wenn wir nix machen, macht niemand was. Manchmal ein schwieriger Gedanke. Jedenfalls hatte ich die besten Absichten.

Ich wollte viele bunte Eier färben, dem Kind ein kleines Geschenk kaufen, was man halt so macht zu Ostern. Aber Mini wurde einige Tage vor den Osterfeiertagen Krank. Volles Programm. Klar, wann sonst, als Kurz vor Ostern;-) Bäm.

Jedenfalls gabs dann keine bunten Eier und auch kein Geschenk, weil einfach nicht geschafft. Doof. Unsere Verabredungen für Freitag und die für Samstag fielen aus, weil Mini einfach nicht fit war. Ein langer Spaziergang war aber trotzdem drin, und zwar in Deutschland, zwischen lauter Weinreben, blühendem Gewächs, bunten Wiesen und Schafen. Sah aus wie im Märchen. Fehlten nur noch die Feen, die herumflogen. Und der Osterhase, klar;-)

Ostersonntag ging es Mini zum Glück wieder deutlich besser. Der Mann lies mich ausschlafen. Und überraschte mich mit einem leckerem Frühstück und viel Schocko:-) Nett. Hab ich schon mal gesagt, dass ich mich mein ganzes Leben noch nie so müde gefühlt hab wie in den letzten 2 Jahren? Den für Sonntag geplanten Ausflug inkl. längerer Autofahrt und total im Freien Liesen wir aber trotz wieder einigermassem fitten Kind sein, weil grottenschlechtes Wetter. Schade. Stattdessen gingen wir auf den Straßburger Ostermarkt. Viel war aber nicht geboten. Ein paar unechte Osterhasen sassen rum, die allesamt echt demotiviert wirkten. Vl. haben die gestreikt?.-) Machte aber nix, weil das Kind sowieso lieber auf allerlei Geländern rumbalancierte. Wuah. Käseplatte in einer ziemlich coolen „Kneipe“ gabs auch noch. Wenn man um einige Ecken herumgeht, findet man auch in Strasbourg coole Orte wo sich keine Touristen hinverirren.

Heute haben wir viel Zeit in einem Straßburger Park verbracht. Es gibt da allerlei Fantasiewelten. Total cool.

Und weil Mini heute nachmittag schon wieder nicht wusste wohin mit ihrer ganzen Energie machten wir dann noch einen Kurzausflug zu einem Indoorspielplatz. Unglaublich wie gut sie mittlerweile klettern kann. Macht mittlerweile echt Spass. Der Mann und ich sind ja  der Typ Eltern, die auf solche Sachen stehen. Mit ewigem Aufstapeln von Bauklötzen tu ich mich dafür manchmal echt schwer.  Es war aber wirklich nur ein kurzer Ausflug, weil das Kind zwar nicht mehr ansteckend aber halt doch noch nicht ganz fit ist.

Jedenfalls: es war ein wirklich schönes Familienwochenende. Leider zu kurz, und überhaupt nicht österlich, abgesehen von den vielen Ostergrüssen die wir bekommen haben:-O

Bäm. Also wenn Mini nächstes Jahr 3 ist bekommt sie richtige Ostern.

 

 

Terror in Frankreich

Der Terror hat zwischenzeitlich wohl ganz Europa in gewisser Weise verändert.

Auch wenn man Nicht zu den Menschen gehört, die sich deshalb zu Hause einschliessen, nicht mehr fliegen und aufhören, ihr normales Leben zu leben, weil sie hinter jeder Ecke einen potentiellen Terroristen vermuten, bleibt einem doch nicht verborgen dass sich vieles geändert hat.

In Strasbourg. An beinahe jedem öffentlichem Gebäude hängen Plakate die einen darauf hinweisen, wie man sich im Falle des Falles verhalten soll. Polizei und Militär sind allgegenwärtig. Betonpfeiler seit neuestem auch. Der Weihnachtsmarkt war diesen Winter deutlich kleiner als früher mal und den Ostermarkt hätte man eigentlich ganz ausfallen lassen können. Weil nämlich wahrscheinlich auf jedem Dorfplatz mehr geboten war, aber so ist dass eben jetzt.  Mini ist zum ersten Mal in ihrem Leben Karussell gefahren, aber sie fands einfach nur total blöd;-) Das aber nur am Rande.

In Minis Krippe läuft gerade einiges schief. Viel zu viel Personalmangel, Leiharbeiter (was haben Leiharbeiter denn bei kleinen Kindern verloren?) und und und. Mini gefällts trotzdem gut, deshalb ist dass für mich noch okay. Würde mein Kind zu den Kindern gehören die jeden Tag schreien, weil da wieder gefühlt 10 neue Leute sind würde es wieder anders aussehen. Aber glücklicherweise gehört Mini nicht zu diesen Kindern.

Die Krippenkinder dürfen erst seit kurzem wieder in den Garten. Davor durften sie lange Zeit nicht, obwohl die Krippe einen wirklich tollen Garten hat. Ich hab das nicht mal bemerkt:-O Irgendwie zu beschäftigt mit anderen Sachen:-/ Aber irgendwie auch nicht so wichtig, denn wenn ich Mini mittags abhol sind wir sowieso viel draussen unterwegs.

Jedenfalls: einer befreundeten Mutter viel das kürzlich dann doch auf. Personalmangel, könnte man meinen. Aber der Grund war ein ganz anderer: Der Terror. Von welcher Behörde auch immer kam die Anweisung die Kinder erstmal nicht mehr raus zu lassen.

In meiner Kindergartenzeit hat kein Mensch über Terror gesprochen. Es hingen auch keine Plakate rum, und ja, es war eben einfach eine andere Zeit.

Hoffentlich kommen wieder bessere Zeiten für die Welt.

 

 

From Paris (not) with love

Der Mann kommt wie jeder 5. Franzose aus Paris.

Die ersten Jahre die wir zusammen waren verbrachten wir in meiner Heimatstadt, einfach weil er viel besser deutsch sprach wie ich französisch. Aber auch, weil der Mann gern im Ausland lebt(e), neugierig war, und er dort ziemlich schnell einen Job fand.

In der Heimatstadt laufen bestimmt vereinzelt einige Franzosen herum, aber alles in allem ist Frankreich und alles französische weit weg.

In der Heimatstadt fanden es so ziemlich alle irgendwie „cool“, dass der Mann aus Frankreich kommt. Und dann auch noch P.a.r.i.s. ! Stadt der Liebe und so;-)

Im Elsass ist das anders. Elsass mag Paris nicht. Weil zu arrogant, weil sich alles zu sehr um Paris dreht und weil sich (fast) alles dort Abspielt.

Der Mann sagt im Elsass oft einfach nur, dass er aus dem GROSSraum Paris kommt. Wenn man aus dem Grossraum Paris kommt, sieht man manchmal Paris von innen ein ganzes Jahr nicht. Der Mann ist aber eigentlich zwischen Paris und Versailles aufgewachsen.

Und ja, es stimmt. Jedesmal wenn ich einem Elsässer erzähle woher der Mann kommt rümpfen sich die Nasen. Paris, Versailles? Viel zu burgeois. Ablehnung auf ganzer Linie.

Ich muss den Mann jedesmal verteidigen;-) Denn er ist weder arrogant noch Bourgeois noch sonst irgendwas. Der Mann mag Paris eigentlich selbst nicht (mehr) so gern. Klar, seine Heimatstadt, aber nicht seine Lebensart.

Ein bisschen Recht haben die Elsässer nämlich schon. Zumindest was Versailles betrifft. Dort laufen wirklich so katholisch konservative Familien rum wie ich sie noch n.i.r.g.e.n.d. s. sonst gesehen habe.