Kindererziehung

Erziehung und andere Katastrophen

Manchmal läuft es einfach. Da hat man das allerliebste, allerbrävste Kind auf dem ganzem Planeten. Da kann man einfach alles machen. Ganz ohne Stress. Ohne Zerreißprobe für die Nerven, sondern einfach so und alle sind zufrieden.  Da vergisst man fast, dass es auch andere Phasen gibt.

Wir durchlaufen gerade wieder eine dieser „anderen“ Phasen. Ich weiss gar nicht mehr, seit wann genau eigentlich. Irgendwann schlug es um und jetzt sind wir mittendrin.

Und was soll ich sagen. Ich bin genervt, ratlos und müde.

Also echt.

Eigentlich bin ich geduldig. Verständnisvoll. Nett. Aber irgendwann gehen auch den geduldigsten Menschen die Nerven aus. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man einfach nicht mehr kann und das Verständnis hops geht.

Mini quengelt zur Zeit wieder extrem viel. Eigentlich die ganze Zeit. Alles ist doof. Und blöd. Und schrecklich. Egal worum es geht. Sie kann sich keine 30 Sekunden  alleine beschäftigen gerade.  Konzentrieren kann sie sich auch nicht. Und sowieso ist ja eh fast alles doof.

Manchmal sage ich gefühlt den ganzen lieben langen Tag lang Nein. Weil Mini gefühlt plötzlich nur noch  Blödsinn im Kopf hat. Und würde ich nicht Nein sagen, ja, dann wäre die Wohnung wohl längst verwüstet, der Hund geflüchtet, Mini mindestens 1001 Mal auf der Strasse verunglückt oder oder oder.  Ich sag nicht gern ständig Nein, und eigentlich bin ich auch gar nicht der Typ der dauernd Nein sagt, aber was soll ich machen? Warten bis sie den Flachbildfernseher kaputt gemacht hat oder sie auf das Aquarium geklettert ist und die Fische einen Herzinfarkt haben oder kopfüber von der Rutsche gestürzt oder in den Rhein gefallen ist?

Heute Nachmittag waren wir bei der einen Freundin eingeladen, deren Tochter Minis Freundin ist. Ist eigentlich jedesmal echt schön. Heute aber nicht. Heute war es eine einzige Katastrophe. Weil das Kleinkind heute einfach komplett neben der Spur war und auch so gar nichts mehr bei ihr ankam.

Tja. Nicht schön. Echt nicht. Irgendwann packte ich Mini wieder ein  und wir gingen nach Hause.

Normalerweise verlass ich mich in Punkto Erziehung auf mein Bauchgefühl, aber auch dass ist gerade flöten gegangen. Ich bin einfach genervt und ratlos und müde  und stelle mich zwischenzeitlich auch selbst in Frage. Hat ja auch keiner gesagt, dass Erziehung leicht wäre oder? O.d.e.r.?

Um ein Kind gross zu kriegen, braucht es ein ganzes Dorf.

Ich finde, dieser Satz stimmt. Aber ich hab hier leider kein Dorf. Ich hab nicht mal mehr eine Familie und an vielen Tagen auch nicht den Mann, weil der ständig weg ist.

Wenn der Mann an Tagen wie heute mit irgendwelchen supertollen Ratschlägen ankommt, oder mir erklärt, was ich alles falsch mach, könnte ich ausflippen. Falsch. Ich flipp aus. Nicht, weil der Mann nicht vielleicht in manchen Punkten Recht haben könnte. Oder sicher hat. Ich bin nämlich nicht perfekt und dass weiss ich längst. Ich mache Fehler. Aber ich finde es ein bisschen einfach, wenn man eigentlich eh andauernd nicht da ist, schlaue Ratschläge zu verteilen. Dann hat man nämlich keine Ahnung wie es ist, wenn man tatsächlich den ganzen Tag ein ein quengelndes Kleinkind betreut und ständig Nein sagen muss.

Aber genug Frust runtergeschrieben. Es gibt so viel Schlimmeres. Und irgendwann kommt das Kleinkind ja auch wieder raus aus dieser Phase. Also hoffentlich zumindest.

 

 

 

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Psychopharmakaverbrauch Frankreich…

Kuerzlich erzaehlte mir eine Bekannte von einem Artikel den sie kurz vorher gelesen hatte.

Leider war ich zu diesem Zeitpunkt mit meinen Gedanken wieder sonstwo und so fragte ich sie nicht um was fuer einen Artikel es hier geht und wo man ihn finden kann. Werde dass aber nachholen!!!

Jedenfalls: es ging darum, dass in Frankreich die Scheidungsraten am hoechsten seien und die Franzosen auch den hoechsten Verbrauch an Psychopharmaka haben. Mittlerweile gaebe es sogar schon die ersten Studien darueber ob dies damit zusammenhaengt, dass franzoesische Kinder so viel frueher in die Creche kommen (oft ganztags) und deshalb nie richtig lernen Bindungen aufzubauen.

Heute gingen wir in der Stadt spazieren und ich erzaehlte S. davon. Halb rechnete ich damit, dass er mir sofort widersprechen wuerde. Es ist  naemlich fast  immer so: Er beschwert sich oft ueber sein Land, ueber die Politik und alles moegliche andere. Aber sobald jemand anders, beispielsweise ein Deutscher irgendwas negatives ueber Frankreich sagt, faengt er in der Regel an Frankreich dann doch zu verteidigen.

Heute allerdings war es anders. Ich: Die Franzosen sollen angeblich den hoechsten Verbrauch an Psychopharmaka haben. Er: Ja, ich weiss. Ich: Und auch die hoechsten Scheidungsraten. Moeglicherweise weil die Kinder so frueh in die Creche kommen. Er: Ja, kann schon sein. 

Aha. Dann erklaerte er mir: Weisst du, Franzosen jammern gern und viel ueber ihr Land. Sie finden eigentlich fast alles doof. Deshalb ja auch die Revolution. Im Ausland erzaehlen sie aber allen, das Frankreich das tollste Land uerberhaupt waere. Und ueberhaupt, dass mit den Psychopharmaka stimmt vielleicht, aber in Frankreich kommt man auch viel leichter an diese Pillen und generell Medikamente als in Deutschland oder vielleicht auch anderswo. Das heisst nicht dass die Leute hier dass mehr oder weniger brauchen als woanders. 

Stimmt auch echt. Macht er tatsaechlich. Jammern und  verteidigen:-D