Kultur

Oh du liebe…

Nachbarin. :—O

Ich war ewig nicht hier.

So ein Umzug mit kleinem Kind zehrt ganz schoen an den Kraeften. Aber das war es nicht. Wir hatten ewig kein Internet und ich muss sagen, diese Seite hier hat mir doch gefehlt. Zum Glueck kann man die vielen Eintraege nachlesen und ich wurde auch vor wirklich einer Ewigkeit zum Liebesten Award nominiert. Das kommt auch noch:-)  Vielen Dank dafuer!!!

Eigentlich gaebe es so viel zu schreiben. Ueber Wohnungssuche und Umzuege in Frankreich, die unglaubliche Geschichte ueber die schon vor 7! Monaten beantragte Bankkarte uvm.

Aber der Schreck ueber die Nachbarin ist noch frisch, deshalb.

Der Mann sagte mir ja immer, dass in Frankreich alles viel lockerer waere. Die Menschen allgemein, im Strassenverkehr, mit Kindern, mit Hunden, mit allem eben.

Die strengen Deutschen immer jammerte er manches Mal. Schau mal, die regen sich schon wieder auf ueber Kind X, dies oder dass. Das gibts ja nicht:-D Plapla…

Was den Verkehr angeht hat er Recht. Kuerzlich in meiner Heimatstadt wieder: 2 Mal nicht in genau der Sekunde losgefahren, in der die Ampel von Orange auf Gruen umschaltete und sofort: wuetendes Gehupe hinter mir:-D Hier passiert einem das in der Regel nicht. Dafuer nehmen es Radfahrer und Fussgaenger hier auch nicht so genau. Sie sind staendig ueberall, fahren und laufen ungeachtet roter Ampel oder jeglicher Verkehrsregeln. Ich hab jedesmal Angst jemanden zu ueberfahren. Ist dass dann unbedingt besser?

Sie sind nicht lockerer mit ihren Kindern wie es immer heisst, sondern eher strenger. Das Kind spielt nicht die erste Geige, aber dass muss es ja auch nicht. Und franzoesische Spielplaetze sind tatsaechlich irgendwie angenehmer als deutsche. Die Muetter sind viel lockerer und es wird sich nicht gegenseitig mit Argusaugen beobachtet wie es mir in Deutschland schon manches Mal auffiel. Das ist angenehm.

Und sonst? Ich finde nicht, dass der Mann Recht hat. Aber wir sind hier ja auch im Elsass und vielleicht hat Restfrankreich eben doch ein bisschen Rest mit dem was ueber Elsass gesagt wird. Das ist ja fast Deutschland.

Ja:-D Ausnahmen bestaetigen ja normalerweise die Regel und Ausnahmen gibt es bekanntlich ueberall aber es ist schon so. in Wohnanlagen, in Doerfern: jeder achtet darauf, was der andere macht und hat, ob der Rasen ordnungsgemaess gemaeht wurde, die Tonne am richtigen Tag rausgebracht wurde, das Auto anstaendig geparkt ist. Wenn der Hund bellt oder nicht sofort parat steht wenn man ruft ist das schlecht. Ist das Kind quengelig, schlecht. Macht man sonst irgendwas, was irgendwie aus der Reihe faellt, schlecht:-D

Und jetzt zur Nachbarin:-O

Wir sind ja umgezogen in die Traumwohnung. Die Nachbarn, die wir bisher kennengelernt haben, sind alle ganz nett. Es ist nicht wie in meiner Heimatstadt wo jeder jeden kennt und sich alle gut verstehen und man ab und an Feste zusammen feiert. Das ist schade, aber auch nicht schlimm. Heutzutage ist das wohl (fast) normal.

Besagte Nachbarin hab ich aber noch nie gesehen, obwohl ihr Garten schraeg unter unserer grossen Terrasse liegt. Kuerzlich jedenfalls bekam Mini ein Planschbecken inklusive Wasserball. Mini findet es lustig wenn man den Wasserball in die Hoehe wirft und wieder faengt. Sie lacht dann immer so schoen, und deshalb spielten wir gestern Ball hochwerfen und wieder fangen. Tja und dann war da ploetzlich ein bisschen Wind und weil der Wasserball ja nicht schwer ist fiel er ueber das Gelaender in den Garten der Nachbarin.

Bloed. Aber ich dachte, so koennte ich den Ball im passenden Moment  holen und mich bei der Nachbarin vorstellen. Es dauerte keine 5 Sekunden bis sie in den Garten stuermte. Ist dass ihr Ball hier in meinem Garten? Ja, der Ball…Das geht doch nicht. Sie befinden sich hier nicht in einer Freizeitanlage! Nebenan ist der Park, da koennen sie spielen. Der Ball ist mir direkt auf den Kopf gefallen. (stimmt nicht) und ausserdem macht der meine Pflanzen kaputt.

Ehrlich, es ist lange her dass ich s.o. boese angesehen wurde:-O Waere das zum 2. oder 3. Mal passiert, ok. Wurden wir jeden Tag auf der Terrasse toben, wuerde Mini den ganzen Tag rumkrakelen oder wuerden wir jeden Tag Leute einladen und waere es staendig laut oder irgendwas, ja ok. Aber all dass ist nicht der Fall. Und das ein Wasserball die Buesche die sie im Garten hat kaputtmachen koennte  ist wohl ein Witz.

Aber all das sagte ich nicht. Ich sagte gar nix, ausser Entschuldigung. 1,2,3.  Ich war sprachlos und wer will sich schon gleich zu Anfang mit der Nachbarin anlegen. Ich kann den Ball nicht werfen, sie muessen ihn holen. keifte sie mich an und ich ging brav runter um den Ball zu holen. Ich war schnell, aber sie war schneller. Der Ball lag bereits vor ihrer (wieder) geschlossenen Wohnungstuer. Nett.

Brrrrrrrrrrr. Was soll man da noch sagen. Und vor allem, wie soll das mal werden, wenn Mini groesser ist und vielleicht Freunde einlaedt und die Kleinen dann reden und lachen. Gibt dass dann auch jedesmal Stress? Weil man am besten gleich in den Park geht anstatt seine Terrasse zu benutzen? Hui.

Aber so ist das eben. Es gibt ueberall solche und solche. Vielleicht ist es doch kein Zufall, dass in einer anderen Wohnung der Rolladen nicht mal mehr hochgezogen und der Garten nicht benutzt wird, weil der gleich neben dem Eingang ist und alle Nachbarn da zwangslaeufig vorbeigehen.

Ich wuensche allen die was mit Fussball am Hut haben einen schoenen Fussballabend. Der Mann ist fuer Portugal. Man muss nicht alles verstehen:-D

 

„Der lebt mit einem Mann zusammen“

Mein Mann machte ja vor einer Weile eine Weiterbildung.

In dieser Zeit lernte er viele neue Menschen kennen. Irgendwann faengt man (meist) an zu reden und irgendwann landet man dann auch beim Thema Familienstand und Kinder.

In Frankreich wird darauf noch mehr Wert gelegt als  in Deutschland. Hat man mit 35 noch keine(n) Partner(in) ist man komisch. Hat man nicht MINDESTENS 1 Kind ist man komisch. Franzosen lieben Kinder. Hier rennen deutlich mehr rum als in Deutschland:-D Sagt eine Frau gar sie moechte keine Kinder geht das gar nicht. Natuerlich gibt es Ausnahmen. Aber im Grossen und Ganzen ist dass so. Heirate und bekomme mindestens 2 Kinder. Sonst bist du anders und komisch.

Aber: eigentlich steht Deutschland Frankreich da nicht viel nach. Bevor ich DEN Mann traf hoerte ich manches Mal Sprueche wie Jetzt wird es aber langsam Zeit den richtigen zu finden. So jung bist du ja auch nicht mehr. Damals war ich 23.  Man muss mit 23 nicht an Heirat und Kinder denken. Gesellschaftlicher Druck bei einem solchem Thema ist einfach nur unangemessen, egal wie alt man ist.  Ob und wann  man den Richtigen findet, ist zum grossen Teil einfach ein Riesenglueck und hat nichts mit „Ich habe es geschafft. Ich bin verheiratet.“ zu tun. Und abgesehen davon: Der/Die Richtige taucht doch meist in dem Moment auf, in dem man an vieles denkt, aber nicht daran. Bei mir war dass jedenfalls so.

Aber zurueck zur Weiterbildung: X  sagte er waere noch Single. Und es kam wie es kommen musste. Von vielen Seiten hoerte er, dass es jetzt aber mal Zeit ist. In DEINEM Alter. Pla. Mein Mann macht bei sowas nicht mit. Allerdings sagte er irgendwann Meine Frau hat eine Freundin die auch Single ist. Die kommt aus dem gleichen Land wie du. X. stellte viele Fragen ueber betreffende Freundin und irgendwann sagte mein Mann Wenn die Freundin einverstanden ist kann ich dir ihre Nummer geben? 

X. war damit einverstanden und betreffende Freundin auch. Aber der Kurs kam zum Ende, X. hatte sich nicht bei betreffender Freundin gemeldet und meldete sich danach auch bei niemandem aus dem Kurs mehr. Schade, weil X. ein netter Kerl gewesen war.  Kuerzlich erfuhr jemand um 10 Ecken, dass X. kein Single ist, sondern mit einem anderem Mann zusammenlebt.

Es ist doch eigentlich traurig, dass man das heutzutage immer noch (oft) nicht einfach so sagen kann. Vielleicht kann man es auch einfach so sagen, aber vielleicht tun sich viele trotzdem schwer damit  weil es in einigen Teilen der Gesellschaft eben immer noch verpoennt ist. In Frankreich, in Deutschland, wahrscheinlich in allen westlichen Laendern. Auch traurig, dass X. meinte, er muss irgendwie den Anschein erwecken, als waere er auf der Suche nach einer Frau. Da waeren wir wieder beim gesellschaftlichem Druck. Er haette ja auch einfach sagen koennen, dass er sein Privatleben fuer sich behaelt und nicht darueber redet. Aber wenn man sowas macht, wird man (oft) ausgegrenzt. Das man dass nicht will, ist auch verstaendlich.

Und was lernt man persoenlich daraus? Verkupplungsversuche jeglicher Art sind meist doof und gehen oft nach hinten los.

 

Integration ist nicht leicht

Eine meiner besten Freundinnen kommt aus Pakistan. Eine andere aus Vietnam.

Beide wurden bereits in Deutschland geboren und in beiden Faellen sprechen jeweils beide Elternteile kein Wort deutsch.

Die pakistanische Familie lebt in ihrer eigenen pakistanischen Welt. Sie traegt pakistanische Kleidung, isst pakistanisch und geht, soweit moeglich, auch zu pakistanischen Aerzten. Die Tochter (meine Freundin) darf, obwohl fast 30 und Biologin, nur raus und Freunde treffen, wenn die Eltern es erlauben. Allerdings tritt nun ein Wandel ein. Der Sohn verliebte sich in eine Deutsche die schwanger wurde, bevor der Vater ueberhaupt von der Existenz dieser Frau wusste. Der Vater war nicht begeistert, willigte aber letztendlich ein. Er liebt seinen strohblonden kleinen Enkel sehr. Der Kleine spricht, seit dem Besuch eines deutschen Kindergarten nur noch deutsch, und nun, nach ueber 30 Jahren, lernen die Grosseltern mit dem Kleinem gezwungenermassen deutsch:D

Die vietnamesische Familie lebt ganz auf vietnamesische Art. Mitten in Deutschland und trotzdem  mitten in Vietnam. Ich hab sehr viel Zeit in dieser Familie verbracht, in Deutschland und auch ein paar Monate in Vietnam.

Einer der Brueder der vietnamesischen Freundin  heiratete eine Frau, die bis dato in Vietnam gelebt hatte. Inzwischen ist sie seit ueber 15 Jahren in Deutschland und spricht immer noch kein Wort Deutsch. Ich hab das nie verstanden. Ich dachte, wenn man so jung in ein fremdes Land kommt, kann es doch nicht so schwer sein.

Kuerzlich beschwerte sich widerrum eine andere Freundin von mir darueber, dass ihr Freund (Spanier), sich nach 2 Jahren immer noch nicht an Deutschland gewoehnt hatte, immer noch kaum die Sprache spricht und die meiste Zeit zu Hause verbringt. Sie versteht dass nicht. Und frueher haette ich es vermutlich auch nicht verstanden.

Jetzt aber bin ich selbst „Auslaenderin“ und ploetzlich liegen die Dinge anders. Ganz anders:-D

Ich hab mehrere Jahre franzoesisch in der Schule gehabt. Ich hab einen Franzosen geheiratet.

Man koennte meinen es ist „leicht“. Man koennte meinen ich beherrsch die Sprache „perfekt“. Ist es aber nicht und tu ich nicht.:-D  Man erlebt staendig neue Ueberraschungen. Hoehen und Tiefen. Obwohl man meinen sollte, zwischen Deutschland und Frankreich besteht nicht der Wahnsinnsunterschied (tut es auch nicht) blick ich oft nicht durch. Ich ess auch fast ausschliesslich deutsches Essen, schau eher deutsches als franzoesisches Fernsehen (wenn mein Kind mich laesst, bzw. ich nicht vor dem Fernseher einschlaf:-D) und, haette ich die Wahl, wuerde ich wahrscheinlich in Deutschland zum Arzt gehen. Shame on me:-O Aber nicht weil ich mein der Deutsche waer besser. Nein. Die S.p.r.a.c.h.e.

Mein Ziel ist es mich hier zu integrieren. Unbedingt!

Jedenfalls: Ich hab nun nochmal deutlich mehr Verstaendnis dafuer dass eine Integration nie leicht ist. Ich stell jeden Tag bereits mit Frankreich fest, dass es nicht leicht ist. Wie also mag das wohl sein, wenn man aus einer ganz anderen Kultur kommt.

Man darf nur nicht aufgeben!

Psychopharmakaverbrauch Frankreich…

Kuerzlich erzaehlte mir eine Bekannte von einem Artikel den sie kurz vorher gelesen hatte.

Leider war ich zu diesem Zeitpunkt mit meinen Gedanken wieder sonstwo und so fragte ich sie nicht um was fuer einen Artikel es hier geht und wo man ihn finden kann. Werde dass aber nachholen!!!

Jedenfalls: es ging darum, dass in Frankreich die Scheidungsraten am hoechsten seien und die Franzosen auch den hoechsten Verbrauch an Psychopharmaka haben. Mittlerweile gaebe es sogar schon die ersten Studien darueber ob dies damit zusammenhaengt, dass franzoesische Kinder so viel frueher in die Creche kommen (oft ganztags) und deshalb nie richtig lernen Bindungen aufzubauen.

Heute gingen wir in der Stadt spazieren und ich erzaehlte S. davon. Halb rechnete ich damit, dass er mir sofort widersprechen wuerde. Es ist  naemlich fast  immer so: Er beschwert sich oft ueber sein Land, ueber die Politik und alles moegliche andere. Aber sobald jemand anders, beispielsweise ein Deutscher irgendwas negatives ueber Frankreich sagt, faengt er in der Regel an Frankreich dann doch zu verteidigen.

Heute allerdings war es anders. Ich: Die Franzosen sollen angeblich den hoechsten Verbrauch an Psychopharmaka haben. Er: Ja, ich weiss. Ich: Und auch die hoechsten Scheidungsraten. Moeglicherweise weil die Kinder so frueh in die Creche kommen. Er: Ja, kann schon sein. 

Aha. Dann erklaerte er mir: Weisst du, Franzosen jammern gern und viel ueber ihr Land. Sie finden eigentlich fast alles doof. Deshalb ja auch die Revolution. Im Ausland erzaehlen sie aber allen, das Frankreich das tollste Land uerberhaupt waere. Und ueberhaupt, dass mit den Psychopharmaka stimmt vielleicht, aber in Frankreich kommt man auch viel leichter an diese Pillen und generell Medikamente als in Deutschland oder vielleicht auch anderswo. Das heisst nicht dass die Leute hier dass mehr oder weniger brauchen als woanders. 

Stimmt auch echt. Macht er tatsaechlich. Jammern und  verteidigen:-D