Mobbing

Kontaktabbruch

Du bist nicht mehr die gleiche. Diesen Satz hab ich im letzten Jahr ziemlich oft von meinem Mann gehoert. Und er hat Recht.

Meine Familie war noch nie perfekt – aber – trotz allem noch im Normbereich:-D Nach aussen hin sah die Fassade immer toll aus. Akademikerfamilie die sich oft trifft. Alle lieben sich. Plaplapla. Stimmte natuerlich sowieso nicht ganz. Diese Fassade begann in den letzten Jahren ganz schoen zu broeckeln und heutzutage ist sie praktisch nicht mehr existent.

In der Familie sah es noch nie so toll aus, wie es vielleicht nach aussen den Anschein hatte. Aber es betraf mich selbst nicht und ich ignorierte manches. Bloed, wenn ich heutzutage darueber nachdenke.

Dann war ich schwanger und wir beschlossen umzuziehen und die beiden Menschen, mit denen ich innerhalb der Familie am meisten zusammenhing, denen ich blind vertraute, die ich nie in Frage stellte und mit denen ich alles teilte liessen mich fallen wie einen heissen Stein. Sie liessen mich nicht nur fallen, sie begannen gegen mich zu hetzen. Es passierte viel zu viel und irgendwann gab es kein Zurueck mehr.

In den letzten 18 Monaten gab es  viele Traenen und noch mehr schlaflose Naechte wegen der beiden. Manchmal Albtraeume und staendige Fragezeichen ueber das Warum. Es belastete meine Ehe und manches Mal, wenn mein Kind heutzutage aus dem Nichts raus den X.ten Wutanfall an einem Tag hat frag ich mich insgeheim ob es daran liegt, dass ich praktisch die gesamte Schwangerschaft ueber fix und fertig mit den Nerven war.

Kuerzlich kam der Moment, den man auch den Tropfen auf den heissen Stein nennt, oder das Fass, dass nun endgueltig ueberlaeuft. Ich brach den Kontakt ab. Endgueltig. Offiziell.

Danach haette ich am liebsten erstmal 10 Tage einfach nur geschlafen, aber mein Kind liess mich natuerlich nicht:-D Also hatte ich tagelang Kopfschmerzen.

Man trifft so eine Entscheidung nicht leichtfertig. Man hoert nicht einfach auf Menschen zu lieben, auch wenn sie einem mehr wehgetan haben, als man es sich jemals vorstellen haette koennen. Man laesst sie nicht einfach so  los.

Aber irgendwann hat man keine Wahl mehr. Man zieht es durch, wohlwissend dass es keine perfekte, gute, sondern nur die bessere Loesung gibt. Mir geht es besser seitdem. Aber von gut bin ich weit entfernt. Ich hab 2 der wichtigsten Menschen in meinem Leben verloren.

Vielleicht waere es leichter, wenn sie nicht mit mir verwand waeren und ich gar nichts mehr sehen oder hoeren muesste. So funktioniert dass nicht ganz geradlinig. Zwangslaeufig hoer ich immer wieder was. Kuerzlich, ich war gerade mit einer Freundin in meiner Heimatstadt unterwegs, fuhr eine der beiden im Auto vorbei. Die andere sah ich auch aus der Entfernung. Es war schrecklich. Wie eine Wunde die jedesmal wieder von neuem aufreisst.

Ich weiss, dass  viel schlimmere Dinge auf der Welt passieren. Man muss nur Zeitung lesen oder den Radio oder den Fernseher einschalten. So what.

Es hat sogar was Positives: ich hab wirklich gemerkt, dass ich Freunde hab. Mir ging es zeitweise wirklich schlecht und sie waren immer fuer mich da. Und viele offene Arme fuer mein Kind.

Und ich glaube ich kann sagen, dass unsere Ehe wirklich stabil ist. Wir haben einen Umzug in ein  (fuer mich) fremdes Land ueberstanden, waren zeitweise wirklich komplett pleite, weil ploetzlich nichts mehr hin haute wie geplant, wir haben die Schwangerschaft ueberstanden, eine schwierige Geburt und sind seit bald 10 Monaten Eltern, und haben noch keine (nennenswerten:-D) Beziehungskrisen. Dabei heisst es doch immer, Kinder allein waeren Beziehungskiller Nummer 1 oder irgend sowas. Und noch dazu diese Geschichte. So viel Heulerei und blanke Nerven, obwohl ich frueher nie geheult hab.  Und er hielt alles aus:-D

Tja, und der Satz Menschen die man am meisten liebt koennen einen auch am meisten wehtun hat sich in meinem Leben leider bewahrheitet. Das ist halt eben so.

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